Scheu

Die U8 hielt ein paar Minuten am Hermannplatz, tief nachts gegen 3 Uhr. Die Jungs mußten rein, draußen standen die Mädchen. Sie waren zwischen fünfzehn und siebzehn, drinnen und draußen. Die Jungs trugen vorschriftsgemäß die Markenschuhe, bequeme Allzweck-Markenhosen mit Gummizug und viel Platz, oben herum die passenden Blousons, auch Markenzeug, sie konnten also mithalten mit den Beauties draußen auf dem Bahnsteig, deren Ausstattung nicht genau zu erkennen war, da die Jungs dazwischen standen und nervös waren und sich dauernd bewegten und zappelten und nicht genau wußten, ob es nicht besser wäre, die Bahn fahren zu lassen und zu derjenigen zu gehen, die da wenige Meter vor ihnen lächelte und im Blick doch etwas Anerkennung bereit hielt. Allerdings – was würde dann geschehen. Schließlich würde diejenige, um die es ging, nach Hause zu ihren Eltern gehen müssen oder wollen, und dann wären auch die Freunde fort, die doch eine Art Geleitschutz geben konnten, solange man sie an seiner Seite wußte. Und was würde, dieses nur nebenbei, was würde geschehen, wenn man allein mit ihr wäre, auf einer Parkbank oder vor der Haustür, kurz vor dem Abschied. Küssen ist ein Abenteuer.


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