Verglimmen

Es gibt diese Bars, jeder kennt sie, da wirst du mit Schätzchen angeredet, wenn du sie mehr als einmal die Woche betrittst und sie dort fast schon wissen, wie du heißt oder was du sonst so machst. Schätzchen oder Süßer, doch anders als im Puff steht diese Anrede nicht für eine Einladung zu kostenpflichtiger Intimität und körperlichem Austausch, sondern dafür, daß man dich mag – allerdings nur im Rahmen dieser Zusammentreffen in der Bar, nicht außerhalb ihrer Schließzeiten. Andererseits sind die Grenzen fließend, wie übrigens überall. Wer sich gut benimmt, darf mehr, andersherum weniger. Mit gutem Benehmen wiederum ist es nicht getan, die Chemie muß stimmen, wie übrigens überall. Nach zwei, drei Städten hat man heraus, wie es in den Bars zugeht. Das Personal ist froh, wenn mal jemand kommt, der nicht nervt oder am Thresen einschläft, mit dem man reden kann und der zur Not hilft, wenn die Kacke am Dampfen ist und ein schlimmer Gast allen Prügel androht oder mit Gläsern um sich wirft. Die Nächte sind lang, da kann sonstwas passieren. Der Alkohol setzt frei, was in ihnen steckt. Manche fangen an zu kichern, andere schluchzen oder werden sentimental. Es gibt welche, die hören nicht mehr auf zu reden. Andere werden aggressiv oder gehässig, denen entströmt die innere Kloake. Manche wollen nur noch umarmen, die sind auch ein bißchen lästig. Bars sind erstaunliche Orte.


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