Unheil

Gute Jungs nennen sie die oder das, was man zu sehen oder zu hören bekommt, wenn harmlose gute Jungs in Aktion treten. Ich hab‘ es nicht so mit diesen guten Jungs – etwas an ihrer Harmlosigkeit mißfällt mir, wie mir alles in allem die Harmlosigkeit verdächtig erscheint oder das Konzept einer solchen. Gute Jungs sind die aus der Nachbarschaft, die zu laut sind oder einen Laden ausgeraubt haben, versehentlich geradezu, nicht wissentlich, denn sie waren vollgetankt bis unter die Haube. Gute Jungs sind die Entschuldigten, und ein Stück weit folge ich dieser Milieuschilderung, und tue das deshalb, weil aus den Umgebungen die Einzelheiten treten. Gute Jungs schlagen Leute zusammen, die sie persönlich nicht kennen; gute Jungs besaufen sich systematisch und kapern nach angesoffenem Mut die Tanzfläche und treten um sich und treffen dabei mit ihren absurden Schnürstiefeln den Bauch einer schwangeren Frau, die dabei zu Boden sackt, aber zum Glück sich wieder fängt. Ich spreche von alten Begegnungen und Erfahrungen mit guten Jungs, Anfang der Neunziger in Dresden-Neustadt, später in Leipzig-Connewitz. Gute Jungs in Aktion, sich rechts einordnend, schnittige Frisur, bewaffnet, in Gruppendeckung, anderweitig schwach. Söhne von Vätern, von Müttern; Enkel von Großeltern. Gute Jungs, eigentlich. Man hätte sie rechtzeitig liebhaben sollen. Nun ist es jeweils zu spät, nun müssen sie handeln, sich rächen, Dampf ablassen, oder wie das heißt.


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