Widersprüche sind Kennzeichen, nicht zwingend ein Makel

Das Leben könnte schön sein – ich weiß nicht, ob friedlich – aber immerhin entspannt, die meiste Zeit. Vielleicht recht oft. Daß es das nicht ist, lernte ich früh. Irgendwann zeigten sich die Prediger der Mühsal und Plackerei, ich bekam eine Zuckertüte überreicht, um eingestimmt zu werden auf die Süße des Lernens in einer Schule als Auswärtiger, der um sieben Uhr an der Bushaltestelle wartet, um dorthin transportiert zu werden, wohin er nicht möchte. Seitdem ist dieses Peinigende und Drückende nicht mehr von meiner Seite gewichen, es hält die gesamte Anstalt am Laufen. Man sagt, in der Schule lerne man fürs Leben. Das stimmt. Leben ist wie Schule, nicht umgekehrt. Wo sind Freude und Schönheit und Wahrheit und Abenteuer und Liebe – wo sind die denn? Warum schluchzt niemand, warum geben sich die meisten glücklich. Ich frage nicht weiter, will nicht schmerzen, verzichte auf Fragezeichen, Ausrufezeichen und sonstwelche Bekundungen von Gefühl. Daß ich überhaupt noch fühle, rechne ich mir hoch an. Ist es denn so schlimm hier? fragte kürzlich jemand, anteilnehmend an meinem exotischen Leiden. Ich sagte: Nein, ist es nicht. Ich hatte keine Lust auf das Gespräch, das hätte folgen müssen.


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