Trockenheit

Wer das Leben der Moral unterordnet und von ihr bestimmen läßt, gerät ins Trockene. Moral heißt Gesittung, sie ist das, was sich schickt. Moral ist Artigkeit und Unterordnung, ein Befolgen der schulisch gesetzten Regeln. Es gibt noch eine andere Art der Moral, die eine der Beherztheit und des Eingreifens in Schieflagen ist, doch die kann jetzt nicht besprochen werden. Ich will mit der Moral ins Trockene und Buchstabige, in die Gesetzmäßigkeit des niedergeschriebenen Gesetzes, in die Verbote und Erlaubnisse einer niedergeschriebenen und akzeptierten Doktrin. Sie wurde geschaffen, wie übrigens alle Regeln des Zusammenlebens unter Menschen, um die Natur (des Menschen) zu bändigen und unter Kontrolle zu bringen. Ihr Ursprung und Wesenskern sind Mißtrauen und Furcht. Daß sich, so die Befürchtung, das Tier entfesselt und losschlägt. Denn die Natur des Menschen ist nicht gut, da nämlich die Natur nicht moralisch ist im Sinne menschlichen Trachtens und menschlicher Furcht, sondern opportunistisch, verschwenderisch, heidnisch. Man kann die Sümpfe austrocknen, aber nicht die Lust des Menschen und die Lüste des Gartens Eden. Und so schreite ich weiter im puritanischen Blödsinn und irre in ihm herum wie ein ausgesetztes Kind, das den Mohnschnuller verloren hat. Holt euch gute Noten ab, das beeindruckt das Leben!


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