Irgendein Titel fällt mir noch ein

Wirklichkeit kann für sich nicht Werbung treiben. Die Verhältnisse sind, wo immer man sie aufspürt, so lala. Lala heißt: geht so, könnte schlimmer sein. Die Busse fahren, die Bahnen verkehren, es gibt irgendwo in der Nähe einen Kaffee zu kaufen. Ins Idyll schallen Kuhglocken, das Doppelbett aus Großelternzeit hat den Schlaf zur Tortur machende Federkern-Matratzen, wäscht man sich des morgens, zieht es von irgendwo, wir konnten bisher nicht ergründen, woher es kommt. Man wird reich, aber die Freunde haben das spitzgekriegt und bitten um Kredit. Es regnet mehr als hundert Liter pro Quadratmeter und eine Kleinstadt säuft ab, zuvor aber haben sie gebaut, wo man nicht bauen sollte, weil niemand sich traute, den Leuten dies nicht zu genehmigen. Das ist Wirklichkeit, niemand mag sie.

Daß die Dinge sind, wie sie sind, rechtfertigt noch lange nicht, daß sie so sind, wie sie sind.

Etwa so lautet der Wahlspruch der Idealisten, und sie haben vorderhand recht. Der Nachweis, den sie allerdings erbringen müssen, ist der einer guten, also besseren Praxis. Damit erst schaffen sie Wirklichkeit. Wirksamkeit überzeugt. Machen – nicht predigen. Anders leben, von jetzt an, sofort, ohne Verkündung, ohne Manifest. Das beeindruckt und schlägt durch, fast schon ungewollt. Denn ein gut gelebtes Leben wollen still und heimlich eigentlich alle. Sie hängen nur noch fest in ihrem Jeweils. Vielleicht bleiben sie dort hängen, und dann ist es so, dann soll man sie auch lassen. Aber die Kunst der Überzeugung liegt darin, denke ich, selbst (bereits) anders zu handeln. Das muß reichen.


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