Nasenbluten

Wir sprechen über Nasenbluten. Ich kenne das auch. Als Kind verging keine Woche, daß es mir nicht aus der Nase lief. Es kam unerwartet, fühlte sich auf der Oberlippe, dann war es auf der Lippe, die Zunge ging vor, schmeckte das stumpfe Eisen. Manchmal floß es in die andere Richtung und tauchte im Hals auf, kratzig, stumpf, unangenehm. Oh nein, bitte nicht schon wieder! Nichts in der Nähe (Taschentuch, Lappen, altes T-Shirt), der Kopfbezug blutig, Nase zuhalten. Es läuft durch die Finger, schnell ins Bad. Keiner soll aufwachen, alle schlafen schon, es ist mitten in der Nacht. Manchmal Angst im Dunkeln. Die Treppe hinunter, barfuß. Kein Licht anmachen, denn die Schlafzimmertüren haben Milchglas-Imitat im oberen Quadrat, das Licht würde die anderen wecken. Die Nase zuhalten, den Kopf ein wenig nach hinten. Hoffen, daß es schnell vorbeigeht. Ich muß doch schlafen. Warum bekomme ich denn immer dieses Nasenbluten? Es hört eines Tages einfach auf, sage ich jenen, die ebenfalls darunter leiden. Mein letztes großes Nasenbluten hatte ich 1999 in Hannover. Ich schreibe das ganz leise, damit es das nicht hört und zurückkehrt.


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