Vorsicht vor der Wahrheit

Menschen lügen durchschnittlich fünfundzwanzigmal am Tag. Erwachsene lachen fünfmal, ebenfalls am Tag. Die Nacht zählt wohl dazu. Kinder lachen fünfhundertmal am Tag. Nachts schlafen sie und haben Alpträume. (Wo Freiheit herrscht, ist auch Heiterkeit – ich lasse mir samstags Ernst Jüngers Der Waldgang in der Badewanne vorlesen.) Vielleicht möchten wir niemanden verletzen, und sagen deshalb nicht die Wahrheit. Andererseits – was soll ich mit einer Wahrheit anfangen, mit der ich nichts anfangen kann. Anfangen: sie aufnehmen, annehmen, bedenken, verstehen und umsetzen können – etwa dies. Zugleich ist es doch rührend und auf eine Weise richtig, daß wir uns nicht dauernd „alles“ an den Kopf werfen. Wohin führte denn solcher Andrang an ungerufener „Wahrheit“ – doch wohl zu Kampf und Krieg. Bleiben wir einstweilen hübsch im Ungefähren – es sei denn, jemand will es unbedingt wissen.


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