Leibgedinge

Übrigens folgt man den Ahnen nicht in einfältigem Sinn, sondern streitet. Wenig läßt sich ihnen recht tun, sie hätten alle Tage etwas auszusetzen. Und umgekehrt ebenso. Auf den Höfen damals in der alten Heimat zogen die Alten nach der Hofübergabe in die sogenannte Leibzucht, ein eigens errichtetes Haus am Rande des Hofgeländes, damit sie dort ihre letzten Jahre ableben konnten, ohne sich dauernd in die laufenden Besorgungen und Geschäfte zu mischen. Natürlich ging das dennoch nicht gut. Oft standen die Alten vor den Jungen auf und fegten bereits den Hof oder die Stallgänge, nur um zu zeigen, daß sie noch wußten, was harte Arbeit ist und wann ein Arbeitstag tatsächlich beginnt. (Sie gaben auch Erziehungstipps: Der hat nur Knepe im Kopp, der braucht eine harte Hand.) Solche Leibzuchtgebäude besaßen nur die reicheren Höfe, auf den ärmeren schrie man sich an oder ließ die Alten gewähren, bis sie endlich tot umfielen.


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