Zweimal lebte ich zwischen Betonwänden. Einmal in einem Apartment-Komplex in Sicht- und Hörweite einer Bundesstraße, die stadtein- und auswärts Autos auf sich führte in immerwährendem Getöse; eine Tankstelle war auch in Sicht, da konnte ich abends noch Bier kaufen gehen, falls ich Durst bekam des Sommers unter der Dachschräge; nachts ließ sich nicht schlafen; die Wohnanlage war aufgeladen wie eine Wespenkolonie, es gab Eingänge von a bis f, in der A***straße, überall stöhnte es; die Auslegware (grau wie Hirnmasse) auf dem Estrich machte einen beim Gehen elektrisch, man entlud sich an den Türrahmen, daß es knisterte, und ich schrie jedesmal vor Schreck und rief Scheiße! oder was anderes. Es war widerlich dort, eine Brutkolonie für Ahnungslose oder Unempfindliche, ein Quadratmeter-für-oder-gegen-Geld-Objekt, und der Rauhputzbewurf an den Wänden zeigte bereits Risse. Konfektioniert wie eine Ferienwohnanlage an irgendeiner Gold- und Palmenküste, nur daß von Göttingen aus das Meer weit ist. Aber in fünf Fußminuten war man im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG), ebenfalls aus Beton, und konnte jemandem zuhören, der sich einer Wissenschaft übergeben hatte und zu sprechen wußte. Das Apartment verfügte über eine in die Dachschräge eingelassene „Loggia“, aber dort ließ sich nicht sitzen. Entweder verbrannte einen die Sonne und zweitens toste der Individualverkehr derart, daß man Reden in den Lärm hätte schleudern können wie in einer rhetorischen Tobzelle. Die Hälfte meiner Umzugskartons blieb unausgepackt. So habe ich es stets gehalten, wenn von Anfang an eigentlich schon alles klar war. Gekommen, um zu gehen. (Wie im Leben.) Doch was heißt wohnen. Wohnen heißt bleiben und sich gewöhnen, und wohl noch mehr.
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