Platz des irdischen Streits

Am Alexanderplatz ergaben sich am Montag folgende Bilder: An der Weltzeituhr stand eine kleine Gruppe Demonstranten, deren Redner darauf aufmerksam machte, wie sehr die Sanktionen gegen Rußland dazu führten, daß die Inflation bei uns in die Höhe schnelle und das Leben hier allmählich unschwinglich werde. Er bezweifelte die offiziell ausgegebenen Zahlen zur Höhe der Inflation (derzeit etwa acht Prozent) und korrigierte sie nach oben. Ich konnte ihn nur hören, nicht sehen, denn er und das Grüppchen der Zuhörer war umringt von Polizisten und neugierigen Passanten, denen der kleine Menschenauflauf eine willkommene Abwechslung auf ihrem nachmittäglichen Einkaufsbummel bedeuten mochte. Vor dem Galeria-Kaufhaus standen mehrere Demonstranten neben und zwischen ihren aufgespannten Bannern und forderten, die deutsche Politik solle aufhören, Rußland zu provozieren. Ein älterer Mann schrie auf zwei Demonstrantinnen ein, die schrien zurück und drohten, die Polizei zu rufen, falls er sie nicht in Ruhe lasse. Neben den Bannerträgern, keine zehn Meter entfernt, sang eine ukrainische Sängerin und begleitete sich auf der Gitarre. Um den Gitarrenverstärker hatte sie Flagge ihres Landes geschlungen. Ich blieb kurz stehen und verfolgte die Schreierei der Aufgebrachten und dachte: Ihr kennt euch doch gar nicht.


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