Es ist ein Elend mit den Aufsteigern – in dem der Absteiger spiegelt es sich.
Die Absteiger verlieren einstige Höhe, sind ökonomisch auf die schiefe Bahn geraten, geraten in Leistungsdefizite und können ihre einstige Stellung nicht mehr behaupten. Sie rutschen ab.
Die Aufsteiger erklimmen den Affenfelsen der Anerkennung von unten und kämpfen sich hoch. Sie agieren gegen die sozio-ökonomische Schwerkraft und fordern eine Anerkennung, die sich schließlich auch bezahlt macht.
Ich denke dabei an Jack London. Er hat sich seinen späteren Reichtum erschrieben. Härtestes Schreibpensum, täglich exekutiert, ein Leistungsübermenschentum sich abfordernd. Die amerikanische Art der Literatur-Produktion, gnadenlos erfolgsorientiert.
Ich sah seinen Roman Martin Eden, der die Aufsteigerproblematik zu fassen versucht, kürzlich im Antiquariat. – Man wird schwindlig dort oben, wenn man von ganz unten kommt. Gesellschaftliche Umgangsformen und deren Bedeutung sind zu lernen.
Man wird nie dazugehören – das lernt der Protagonist. Sie (die gesellschaftlich Bessergestellten) werden ihn stets und insgeheim verachten. Er ist nicht einer der Ihren und wird niemals wettmachen können, was zur vollen Anerkennung unerläßlich ist: eine anerkannte Herkunft.
Das Elend der Aufsteiger liegt darin, daß sie sich den Maßstäben der Herrschenden und Bestimmenden unterwerfen. Diese müßten jedoch überwunden werden, da sie hohl und wurmstichig geworden sind.
Man muß eigene Maßstäbe setzen. Wer will denn leben wie die da oben. Jeder bei Verstand würde eines Tages im Swimming Pool als Leiche treiben, während die Filteranlage weiter die Wasserqualität reguliert.
Der Sinn der – mittlerweile historisch gewordenen – Künstler-Bohème besteht doch darin, einem ehrenwerten Bettler-Adel anzugehören, der sich zu fein ist, irgendwen um irgendwas anzuflehen und sich nicht den Gesetzen des Geldes unterzuordnen gedenkt. Wie immer das ausgehen mag.
Die meisten landen im Bürgertum, sofern sie nicht zuvor gestorben sind oder lallend durch die Straßen taumeln, daß man besser die Straßenseite wechselt, wenn man sie einst kannte. Im Bürgertum sterben die – mag sein – maßlosen Ambitionen.
Das macht solche Bürger zu melancholischen Gestalten. Man erblickt sie in Theaterfoyers, Museen oder auf Vernissagen. Die Widerstandskraft hat nicht gereicht oder die künstlerische Potenz ließ nach. Sie leben ein ironisches Leben, aber tauschen möchten sie ihre Sicherheit nicht.
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