In den harmlosen Bereichen ist Freiheit nicht nur toleriert, sondern ausdrücklich erwünscht. Im Geschlechtlichen tummeln sich die aktuellen Debattanten und demonstrieren einander die Spiel- und Lesarten. Das ist interessant, solange man Sexualität für das Hauptthema hält. Diversität ist auch hinsichtlich der ethnischen Identität aus zentraleuropäischer Perspektive ein probater Wunsch, sofern die eigene Provinzialität, insbesondere die des Lebens und Denkens, erkannt und behoben werden soll. Die Anderen mögen es richten. Dafür sollen sie immerhin sichtbar anders sein. Man könnte darin eine rundum erneuerte Version des alten Exotismus vermuten, doch wer würde das wollen. Wir glauben an das Gute und befördern es nach Kräften. Die letzte Generation bereitet mir kein Kopfzerbrechen, da ich ihr Pathos gut verstehe. Es speist sich aus unseren Erzählungen und einer guten Schulung in apokalyptischem Denken. Die Entdramatisierung wird sich in einem ersten Schritt als Erschöpfung kundtun, in einem zweiten als Frustration/Aggression entladen und drittens zu einem vertieften Verständnis des Menschen als Kultur- und Naturwesen führen, mit entsprechenden Konsequenzen. Eine Menge Dinge sind zu entwirren, das ist die Aufgabe der nächsten Jahre.
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