Warum lasse ich mich irritieren? Was bedeutet denn dieses Wort? Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) gibt kund: Herkunft aus irritare (lat.), reizen, erregen, provozieren. Durch „volksetymologische Anlehnung“ zu „irr, irren“ sei dadurch die heutige Bedeutung entstanden: unsicher machen, ablenken, stören.
Warum lasse ich mich unsicher machen, ablenken oder sogar stören? Finge ich an, das zu notieren, ergäbe das ein Buch mit vielen hundert Seiten.
Die historischen Filmaufnahmen wollte ich zunächst Verstörung nennen – das wäre das stärkere deutsche Wort für Gefühle und Gedanken, die mich aus dem Gewohnten führen – zurück an Orte und in Zeiten, die ich bisher nur gelesen habe, jedoch nicht gesehen. Gesehen durch die Kameraaugen einer unbekannten Person, die ebenso tot ist wie sämtliche Personen, die zu sehen sind.
Damals erfreuten sie sich eines Lebens oder litten – taten beides. Man könnte auch uns so filmen, wie wir auf den Straßen lustwandeln oder dorthin hetzen, wo man uns mißhandelt. Mir sind diese Filmaufnahmen unheimlich. Mir ist, als sähe ich mir Geister an.
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