Als ich kürzlich vor einer Bar saß, die an einer Brücke liegt, die über die Schnellbahngleise geht, saß ich nur deshalb vor dieser Bar, weil es in dieser Bar zu dunkel war, um zu schreiben. Nicht weit von der Bar, vor der ich saß und schrieb, gab es eine kleine Kundgebung von Leuten, die keinen Krieg gegen Rußland wollten. Ich hörte sie von weitem, manchmal drangen Stimmen durch, es war windstill. Ich schrieb im Tagebuch etliche Seiten, das war wichtig; ich brauche das Schreiben zur eigenen Balance. Ich notierte Ereignisse, das war alles. Die Barfrau kam heraus und fragte, was dort hinten los sei. Irgendwas zum Krieg, sagte ich. Ob ich ein zweites Bier möge. Ich nickte. So schrieb ich noch mehr, und die Leute, die vorbeigingen, schauten auf einen, der trotz der Kühle draußen sitzt und in ein Büchlein schreibt, kleiner als ein Portemonnaie. Vornehmlich Privates: ein Ein- und Aussortieren von Wichtigkeiten, die Wechsel von Stimmungen und Meinungen, ein Potpourrie der Vorkommnisse und ihrer Einschlagstiefe im eigenen Herzen. Sogenannte Gewinne und sogenannte Verluste, ohne daß eine Bilanz angestrebt wäre. Im übernächsten Leben nach meinem überübernächsten Leben werde ich mich als Bilanzbuchhalter vom Leben selbst rekrutieren lassen. Andere Chefs werde ich nicht akzeptieren. Ich ging nach dem Schreiben und Trinken zur Demonstration, doch die Leute dort waren so brav und gefällig, daß es mich heimwärts zog. Ich bin froh, wenn die Leute sich melden und zeigen, was sie denken oder fürchten.
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