„Wiederhören“, sagte man damals am Ende eines Telephongesprächs, oder freundlicher noch, fast schon enthusiastisch: „Auf Wiederhören.“ Vorschriftsmäßig lernten wir uns zu melden, wenn wir als Kinder den Hörer abnehmen durften oder mußten. Das Telephon war eine Institution – man mußte rangehen, erlaubte sich keine Ausnahme. Es konnte um Leben und Tod gehen. So wie damals, als ich mir fast den Zeigefinger der linken Hand abgehackt hatte. Die Nachbarn hatten ein Auto parat, so daß ich schnell zum Hausarzt gefahren werden konnte. Der betäubte die Hand und erledigte die Angelegenheit mit ein paar Stichen, die Sache ist gut verheilt und fällt kaum jemandem auf. Kinder sind anfällig für Verletzungen und suchen die Gefahr. Ich jedenfalls war es und tat es. Holger blutet schon wieder, meldete mein jüngerer Bruder jenen Unfall mit dem Beil. Noch heute zuckt etwas nach, denke ich an die Zeit der selbstzugefügten Wunden. Einmal hackte ich mir in den Kopf, mit der stumpfen Seite. Ich wollte ausholen, um genügend Schwung zu bekommen, einen Ast zu zerteilen. Leider war ich noch unwissend und hatte nicht gut zugesehen, wie die Älteren es machten. Man holt aus, indem man das Beil links oder rechts über die Schulter führt. Nicht mittig nach oben, denn da sitzt der eigene Kopf. Die Wunde war oberflächlich, etwas Blut verklebte das Haar.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.