Nicht mit leeren Händen

Das Leben als harte Schule – man sollte solche Wahrheit nicht idealisieren. Sie hat das nicht nötig und verträgt es auch nicht. Niemand jubelt, wenn er zurückgewiesen, abgewiesen, ausgebootet, verunglimpft oder geschmäht wird. Es scheint Jahre ohne Liebe und Zuspruch zu geben, Jahre der Isolation. Manchmal sieht man das Licht nicht, so verdunkelt und geschädigt ist das Sehen. Es gibt Zeiten, da lebt man im Zerwürfnis mit sich selbst. Mögen es Phasen sein, nicht Ewigkeiten. Solche des Unverstandenseins, auch des Nichtverstehens. Schlimme Einsamkeiten, nicht einmal zuhause in sich selbst. Dabei ist das das Schwerste. Sich bewohnen wie ein Verlies oder einen Tempel (der Bedürfnislosigkeit). Dazu die äußeren Mißhelligkeiten: kein Geld, keine Aussichten auf materielle Sicherheit. Bettelarm sein oder fast schon, „knietief im Dispo“ (immerhin noch kreditwürdig), Freunde anpumpen, Verwandte, Eltern, Geschwister. Das reißt am Selbstwertgefühl. Die Risse lassen tief blicken. Da ist fast nichts, da sieht man schon durchs Fleisch die Knochen. Später schreibt man dann einen Text wie diesen. Unklar ist, was man sich hätte „ersparen“ sollen oder können. Nichts, befürchte ich. Man braucht jeden Moment, selbst den schlimmsten. Mit was sollen wir denn sonst antanzen, wenn gewogen wird.


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Nicht mit leeren Händen

2 Gedanken zu „Nicht mit leeren Händen“

    1. Mir scheint, als würde dauernd gewogen, als sei jeder Augenblick der einer Bewährung. Ich denke dabei nicht an einen Übertritt ins Himmelreich, nehme das Bild aber aus der christlichen Mythologie. Mir gefällt auch die Formulierung, daß die Herzen gewogen werden. Natürlich nicht nach Kilogramm Fleischmasse, sondern nach dem, was menschlich sich zu verhalten heißt.

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