Jetzt wird von „Fatigue“ gesprochen, infolge einer Infektion durch das bekannte Virus. Erschöpfung und Ermüdung. Einem Hinweis verdanke ich, daß es Byung-Chul Han war, der (2010 und 2015) unseren Blick auf die Müdigkeitsgesellschaft zu lenken versuchte, nicht zuletzt dank eigener Beobachtungen und Erfahrungen in Süd-Korea, seinem Heimatland. Isabella Gresser hat einen Film darüber gemacht. Die Müdigkeitsgesellschaft ist eine Burnout-Versammlung der Überanstrengten und Ausgezehrten, eine Ansammlung jener Existenzen, die ihr Erfolgs- und Leistungs-Ich über die Grenze schickten. Burnout ist kein beiläufiger Befund, sondern eine Bankrotterklärung des Selbst angesichts idiotischer und abstruser Anforderungen. Byung-Chul Han ist derjenige, der für solche Regressionen des Subjekts Worte findet. Ich denke, es ist gut, daß er aus der Metallurgie kommt (dies studierend und zur Philosophie wechselnd) und später Peter Handke gelesen hat. Dessen Versuch über die Müdigkeit entwirft aber eine ganz andere Aussicht auf die Zustände der Erschöpfung. Sie entstammen der ländlichen Welt und der bäuerlichen Arbeit. Daß sie nicht idyllisch ist, kann ich bezeugen. Erntezeit ist für andere Urlaubszeit. Die kapitalistische Logik der Selbstausbeutung (als mißverstandene Freiheit) schrottet den einzelnen, einen nach dem anderen. Die einen bringen sich um, die anderen landen in den dafür zuständigen Pflege- und Wiedereingliederungseinrichtungen.
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