Andererseits der brüchige Stolz

Zu sein, wie ich bin, war stets mit Schuld verbunden. Das hat mir niemand beigebracht, das war nicht nötig. Es liegt in der Kultur, es liegt im Erbe. Entsprechend die Appelle und Exerzitien. Begrenze dich, halte Abstand, sei fügsam. Niemand mußte solche Sätze sagen oder Instruktionen erlassen, es verstand sich wie von selbst. Daß man nicht mehr sein sollte als man ist. Doch niemand hätte zu sagen vermocht, wer man ist, als einzelner. Niemand wußte das. Das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und dem Vielumgebenden war ungeklärt. Du bist nichts, dein Volk ist alles – hatte es während der Hitlerzeit geheißen, und Ernst Jünger hatte kommentiert: ein Volk aus lauter Nullen. Ich möchte über die Scham sprechen, man selbst zu sein. Lieber wäre man vielleicht wie die anderen, denn die haben es leicht, scheint so. Die Scham, eine Ausnahme zu sein; die Scham, eine Ausnahmeregelung erwirken zu wollen; die Scham, nicht aufzugehen im glücklichen Rest.


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