Daß das erlaubt ist! staunen die Leute nicht schlecht, wenn sie der Meinung sind, daß etwas, das sie schwer ertragen, verboten gehört. Man muß sie erinnern: Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Man darf sie beunruhigen: Selbst wenn es verboten wäre, geschähe es dennoch. Wenn auch nicht so oft. Die Verbote sind für die, die sich was verbieten lassen. Das sind nicht alle, doch bilden sie eine zustimmende Mehrheit. Auf solche Weise funktionieren Gesetze. Sie sind gut, wenn man sich daran halten kann. Dann entsprechen sie dem Rechtsempfinden oder kommen ihm nahe. Daß das Recht die Gerechtigkeit nicht erreicht, bleibt davon unbenommen. Neben den Gesetzen gibt es die ungeschriebenen Regeln, die uns helfen können, reibungsloser und nervenschonender aneinander vorbeizukommen. Manche würden am liebsten alles regeln oder geregelt sehen. Das entlastete sie, dann müßten sie weniger nachdenken und entscheiden, stünden seltener vor der Frage, links oder rechts, auf oder ab, könnten sich auf das Regelwerk berufen und mit Kenntnissen desselben dienlich sein – zur Not auch andere zurechtweisen. Eine Frage der Macht und der eigenen Kenntnisse. Dann wären sie oben, dann liefe es für sie glatt. Aber ach, die Menschheit ist ein Sauhaufen. Jeder wie er will. Sie, die vielen Leute, bleiben am Fußgängerüberweg stehen, wenn das Ampelmännchen rot ist und ebenfalls steht – kaum ist die Polizei durch, laufen sie los, trotz des Männchens, das längst noch nicht geht.
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