Vor ein paar Jahren traf ich einen, der wähnte sich gelassen. Das sei das Gute daran zu altern, sagte er. Es stelle sich Gelassenheit ein. Da er es oft sagte und überbetonte, wurde daraus eine Art Witz. Das bloße Wort ließ innerlich auflachen, später seufzen. Ach diese Gelassenheit, wer die schon hätte, der wäre doch, der könnte was, da ginge wohl usw. Gelassenheit. An sich keine schlechte Gemütshaltung, man könnte sie sich wünschen. Vermutlich stellt sie sich ein, wenn man genug geschrien, gezittert, gebangt hat. Oder wenn die Kräfte nicht zu jeder Aufregung mehr reichen. Oder wenn Aufwallung nicht mehr als Stimulans erlebt wird, sondern als Störung. Ob ich bereits gelassen bin, frage ich mich. Wen soll ich sonst fragen. Geht so, würde ich mir antworten. Mir ist eher, als säße ich auf hohen Bäumen und zöge an unsichtbaren Schnüren und hoffte, daß sich etwas regt. Gelassenheit – später vielleicht und dann auch gern.
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