Ich war ein Kind des Nasenblutens, es lief nur so heraus. Dann war es vorbei. Erwachsene haben es nicht. Ich schien befreit. Es kehrte zurück, da war ich fünfunddreißig Jahre alt und bangte um die Existenz. Ein Job fehlte, ich bewarb mich, blutete auf der Fahrt zum Vorstellungsgespräch im Stadtbus alles voll. Eine Frau reichte ein Taschentuch. Nachdem ich ihn bekommen hatte, diesen lebenserhaltenden Job, blutete ich nachts einige Male, da ich fürchtete, frühmorgens um vieruhrdreißig nicht rechtzeitig aus dem Bett zu kommen und die Zukunft zu verschlafen und aus dem anerkannten Leben aussortiert zu werden. Ich dachte oder fühlte in solch absoluten Kategorien, fand nicht die mildernden Zwischentöne. Der Dramatiker vergoß sein eigenes Blut, denke ich zuweilen und weiß zugleich, daß eine solche Deutung leicht zu haben ist. Aus zeitlicher Distanz abgesicherte Urteile über sich selbst zu fällen, ist wohlfeil. Mir war damals, im Jahr 2000, als litte ich mich Schritt für Schritt endlich zugrunde. Allerdings wehrte ich mich.
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