Wenn man sich nicht falsch verfeinden soll, kann man sich denn richtig verfeinden? Wer wäre denn geeignet, ein Feind genannt und verdient bekämpft zu werden? Wir leben, eine Phrase von Peter Sloterdijk aufgreifend, im postheroischen Zeitalter. Da gehören wir auch hin, meines Erachtens. Man mag das dekadent nennen, sofern es gleichgesetzt wird mit einem Einverständnis mit allem und jedem, sofern man selbst nur in Frieden gelassen ist und seinen Geschäften und Begierden nachgehen kann. Solch fahrlässiges Walten und defensives Wesen zieht Begehrlichkeiten an, so lautet die These. Man würde früher oder später angegriffen werden. Schon werden Beispiele gezeigt und wie Trumpfkarten auf den Tisch geworfen. Solche Sicht verkennt, wie expansiv die sogenannte Dekadenz agiert. Sie agiert derart erfolgreich, daß sie beinahe weltumspannend Fundamentalismen produziert. Fundamentalismus entsteht dort, wo Fundamente wegbrechen – nicht dort, wo man sicher steht. In gegenseitiger Umklammerung nähren und vernichten sich die Gegensätze. Das sind keine Feindschaften, das sind Gefangenschaften auf Gegenseitigkeit.
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