Themen und Motive aus früheren Lebensphasen kehren zurück. Nun das Bauernthema. Ich soll mich gar nicht erst wundern. Man sieht sich zwei-, dreimal im Leben, und jedesmal ist man noch derselbe und zugleich auch ein anderer. Das Leben spielt mich an mit den Fragen, auf die ich Antworten geben soll. Das Bauernthema ist elementar, da gibt es keinen Schnickschnack, da hat Firlefanz wenig Platz. In der Bevölkerung genießen die Bauern ein hohes Ansehen, höre ich berichten. Das freut mich, das ist gut. Zugleich steht die Landwirtschaft in der Kritik, da Tiere gequält und Landschaften zu Todeszonen verkommen. Produktionsdruck, Gewinndruck, Massentierhaltung; Großraumbewirtschaftung, industrielle Landwirtschaft, Quantität statt Qualität; die Erzeugerpreise derart niedrig, daß nur über die Menge Gewinne erwirtschaftet werden können. Seit Jahrzehnten das Bauernsterben: In unserem Dorf gab es, als ich Kind war, noch etliche Bauernhöfe. Wir hatten die Hausnummer 27, was bedeutet: Unser Hof war die Nummer 27 in der Größenordnung und dörflichen Bedeutung. Gegenüber lag der Hof mit der Nummer 1. Dort wird heute noch gewirtschaftet, alle anderen sind fort. (Unser Dorf sieht jetzt aus wie eine Siedlung mit eigenwillig altmodisch geformten Häusern und überdimensionierten Grundstücken.) Viele waren damals bereits Nebenerwerbsbetriebe. Landwirtschaft lohnt nicht, das haben wir gelernt, und jeder weiß es. Es sei denn, man wird zum Subventionsritter oder erschlägt die Konkurrenz durch Größe und Produktionsmengen. Bio-Landwirtschaft könnte helfen, die Entleerung des ländlichen Raums von Bauern zu stoppen. Ich möchte das hoffen. Habe soeben den Newsletter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) abonniert, einer Gegengründung zum Deutschen Bauernverband (DBV), der den Hauptvertretungsanspruch für die deutschen landwirtschaftlichen Betriebe erhebt. Mit den Freien Bauern beschäftige ich mich morgen, ihren Auftritt in Berlin finde ich beachtlich.
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