Das war was

Zum Ein-Drittel-Ende des Stückes landet die Tanzstunde in Erleichterung und Triumph. Gut, so mag es stattfinden können. Bei mir war es anders. Wir lernten, vierzehn- oder dreizehnjährig, die Schritte der Tänze im Tanzstundenunterricht. Es gab einen Tanzlehrer, der machte es mit seiner Tanzpartnerin vor. Wir machten es ihm nach – erst einzeln, dann mit einer Tanzpartnerin. Mädchen und Jungen, Jungen und Mädchen. Zwei Welten, zwei Kontinente. Angstverbunden. Heute lacht man darüber – allein ich lache nicht. Zu tief sitzt bis heute der Schrecken. Wie spricht man als Junge ein Mädchen an, worüber läßt sich sprechen, was sollte unterlassen werden, worauf achtet ein Mädchen beim Jungen, wie kann man ihr gefallen, sofern sie einem gefällt, und so weiter, kaskadenartig und strudelnd, alle Gedanken und Energien einsaugend, der Verzweiflung zutreibend. Endlich muß man fragen: Möchtest du mit mir den Abschlußball tanzen? Natürlich gibt man sich gelassen, wie das Jungen so tun oder tun zu können vorgeben. Natürlich zeigt man sich desinteressiert, natürlich meidet man die, die man am schönsten findet. Ach, diese Manöver des Widerstreits zwischen Stolz und freiwilliger Unterwerfung. Ich bin doch auch was wert – doch was bin ich schon wert, wenn sie mich nicht sieht, nicht erhört, nicht will. Schmerzhafte Zeit, Zeit der Vernichtung – um daraus hervorzugehen als jemand Neues? Ach, ich bin mir nicht sicher. Vielleicht sind wir gar nicht derart wandelbar, wie sie sagen. Vielleicht absolvieren wir den Parcours und landen dennoch bei uns selbst, im Bereich unserer Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Ich weiß das alles nicht, deshalb schreibe ich darüber, was soviel ist, als redete ich gerade jetzt. Schon wieder drei Uhr des Nachts. Über mir werden Stühle oder Tische gerückt. Wer weiß, was aktuell anliegt. Ich war nicht beim Konzert von The Slow Show, ich war nicht beim Konzert von American Aquarium, ich fühle mich schuldig. Wir sollten die Leute unterstützen, die uns helfen mit ihrer Kunst. Ich mag das Lied, das davon handelt, tanzen zu lernen, doch ich mag nicht den gestrichenen Triumph. So einfach ist es nicht. Auch das Tanzen kann hin und wieder schwierig werden, und manchmal ist einem nicht danach. Mir ist auch nicht dauernd nach Gedichten oder anspruchsvollen Filmen oder ernsthafter Musik. Ich weiß gar nicht, was das sein soll.


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Das war was

2 Gedanken zu „Das war was“

  1. L.L. schreibt:

    Und die Mädchen erst, die Angst haben, sitzen gelassen zu werden! „Cool“ möchte man sein. Mit diesem Wort maskiert sich Angst und Unsicherheit.

    1. Oh ja. Demonstrierte Coolness ist ein Selbstüberzeugungsversuch. Wenn sie nach außen wirkt, wirkt sie – so die Hoffnung – auch nach innen. Auf solche Weise beruhigt sich ein beunruhigter Mensch. Ich bin nahezu ungerührt, da ich so tun konnte, als sei ich es.

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