Kerzen und Katzen

Ein Tag geht vorbei. Wohin geht er, woher kommt er, was ist mit ‚gehen‘ gemeint? Vielleicht eilt er ja oder schleicht oder stolpert. Reine Empfindungssache offenbar, willkürlich wie andere Geschmacksurteile (angeblich) auch. Unsere metaphernreiche Alltagssprache schafft Bilder in Hülle und Fülle, man nimmt sie an, man gibt sie weiter. Vor einigen Tagen hörte ich nach langer Zeit einmal wieder das Wort ‚Pillenknick‘ und merkte auf. Der Pillenknick korrigierte die Geburtenrate nach unten: eine empirische Auffälligkeit im Verlauf der Geburtenstatistik, biochemisch (pharmazeutisch) und sozialpsychologisch induziert. Siehe auch die sexuelle Revolution. Solche Wortprägungen verleihen Phänomenen den erregenden und bewegenden Schwung. Schon läßt sich etwas empfinden, schon läßt sich Meinung hervorkitzeln – als könnte die etwas ändern. Meinungen ändern nichts, sie kleben sich auf wie Abzeichen oder Auszeichnungen. Meinungen sind das Rauschen des Windes im Blätterwald, aktuell wie ein Rülpser oder anderes, das entfährt. Ich bin nicht mit dem gebotenen Ernst bei der Sache, weil das Amüsement mich permanent weiterträgt. Zu meiner Entschuldigung: Ich gelte als ernsthafter und grüblerischer Mensch, aufgelegt allerdings zu mancherlei, und das nur, um sich nicht zu langweilen.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Kerzen und Katzen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert