Das Rad dreht sich

Aus dem Tagebuch: „Die Depression ist spürbar. Sie lastet bleischwer auf müden Körpern und erschöpften Seelen. Eine lähmende Geistlosigkeit hat die westliche, die östliche und die restliche Welt befallen.“

Aus einem Brief: „Da die allgemeinen, um nicht zu sagen politischen Verhältnisse derzeit derart beschissen sind, daß man immer auf sie verweisen kann, wenn man nicht gerade dem Wetter die Schuld zuschiebt, habe ich mich auf den Humor zurückbesonnen. Auf einen Humor allerdings, der sich der Menschen und ihrer Nöte annimmt, statt über sie hinwegzugehen. Da ich die Regentropfen höre, denke ich, er mag noch bleiben. Es ist eine seltsame Kunst, sich dieser Tage in sich einzurichten. Der Milchschaum des Milchkaffees knistert. Die Zugvögel kehren seit zwei Wochen zurück. Man hört ihre Schreie. Übermorgen ist Vollmond. Es gibt gute Bücher. Ich möchte mir für einzelne Gedanken mehr Zeit nehmen. In Ruhe denken und sprechen und schreiben. Heraus aus den Reiz-Reaktions-Ketten. Im Augenblick verweilen, ihn ausfüllen und in ihm bleiben, bis ein neuer sich anmeldet. Ich möchte die Zeit schmecken lernen.“


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