Sich unverstanden fühlen (wähnen) – die zentnerschwere Last der „Symptomträger“. Sie sind diejenigen im System, die es spüren und auszuleben haben: das Gewicht der gemeinschaftlich angehäuften moralischen Schulden. Gemeinschaften sind jeweils um ein Problem angeordnet, von dem sie nichts wissen. Die Symptomträger, die darauf zeigen, erkennst du daran, daß du sofort mit ihnen sprechen kannst, und zwar auf fortgeschrittenem Niveau. Sie wissen vom Leid und vom Leben, sind anschlußfähig für weiterführende Gedanken und Ideen. Wer nichts von ihnen weiß, wird auch nichts von ihnen wissen wollen. Man soll sie nicht mit den „Systemsprengern“, wie sie der Film populär, jedenfalls immerhin bekannt gemacht hat, verwechseln. Sie schreien nicht hörbar, gestikulieren nicht wild in der Gegend herum, versuchen durchaus, sich anzupassen und unauffällig zu sein. Nicht selten verstecken sie sich. Noch häufiger halten sie sich für schuldig, nämlich dafür, daß „das System“ nicht gut genug funktioniert: sie nicht in ihm, es vielleicht besser ohne sie. Suizidgefahr, autoaggressives Verhalten. Das System ist wie eine Russische Puppe: vom Kleinen ins Große. Ihr Verdienst: daß sie anzeigen, wenn erhebliche Störungen vorliegen und die gern geglaubten Harmonien brüchig sind. Sie, die Träger solchen Wissens vom Leid, sind leicht zu lesen, will mir scheinen. Sie zeigen dir eigens und wenn du zuhören magst, was nicht stimmt. Nur daß du vielleicht denkst, es sei doch in Ordnung, was ist, allein dadurch bereits, daß es (noch) ist.
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