Leben entsteht aus Leben

Daß wir von sonstwoher kommen, weiß ich seit (gefühlt) ewiger Zeit. Eltern reichen bei weitem nicht aus, ein Kind zu erklären. Sie haben es „gemacht“, dazu waren sie da. Leben entsteht aus Leben, es gibt sich weiter unter Opfern. Einige sind kaum zu ertragen. Der Geist sei „bionegativ“, konstatierte Gottfried Benn, ein Kronzeuge der Irrungen und Wirrungen des 20. Jahrhunderts, sofern es die Deutschen betrifft, dies- und jenseits der Linie von Dafür oder Dagegen. Der Geist wendet sich vom Leben ab, heißt das. Vielleicht ließe sich das umdrehen und man müßte fragen, wer wessen mehr bedarf. Treiben wir die Dinge einstweilen nicht auf die Spitze. Woher mag ich kommen? Aus meiner Mutter kam ich, mein Vater zeugte mich, wie man sagt. Was hat das zu bedeuten? Sollte oder müßte denn mein Dasein und Hiersein etwas bedeuten? Mir war stets, als täte es das. Andere raten ab und scheinen zu wissen, daß nichts ist, es sei denn, wir gäben etwas hinein, das wäre allerdings unsere Sache. Sie sagen auch, es gäbe keine Wahrheit, doch immerhin Wahrscheinlichkeit, womit Errechenbarkeit gegeben sei. Auch so kann man sich tröstend Halt geben, ich verstehe das. Mir ist nach anderen Ideen.


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