Fliegenschlaf in den Gärten

Eine dicke Fliege hängt kopfunten am Tuchstoff des Vorhangs und schläft. Als hätten das Bemerken und die Worte, die ich schreibe, sie geweckt, fliegt sie in diesem Augenblick an einen anderen Platz im Zimmer, dorthin vielleicht, wo es dunkler ist. Hinter den Buchreihen im Bücherregal ist es dunkel, dort sollte sich gut ruhen lassen. Auch ich sollte ruhen, es ist mitten in der Nacht; ich bin aber aufgewacht, sitze nun hier und lese in alten Briefe und sinne Bedeutungen nach. Ich sehe den Garten der Freunde in den leuchtenden Farben des Sommers und seiner Pracht. Ein Garten spricht davon, wie jemand das Leben versteht. (Selbst Texte ähneln kleinen oder größeren Gärten. Sicher wächst und gedeiht dort nicht alles, aber doch vielerlei.) Vor einigen Tagen sagte jemand, er sei ein Freund von Plastikpflanzen in seiner Bude, da er noch jung und nicht so weit ist, echten Pflanzen zu geben, was sie benötigen. Pflanzen aus Plastik sind keine Pflanzen, das weiß er schon auch. Die Fliege scheint einen Platz gefunden zu haben, ich könnte sie suchen. Ich mag die Schlafenden, sie erinnern an Heilige, Träumende oder Tote.


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