Halbwegs ganz

Versuche ich zu erklären, in welch aufgeladener Zeit wir leben – nicken die Leute. Ja, sie spüren auch was. Doch was ist das, was sie spüren und auch ich spüre? Gibt es einen Namen dafür, um von Begriffen zu schweigen? Begriffe schneiden, Namen leuchten, Ideen schimmern. Wie lächerlich, einfältig von Krise zu sprechen. Man müßte sagen, wessen Gesundheit und Wohl auf der Kippe steht und durch was sie gefährdet sein soll. Man müßte sich zu einem Verständnis bequemen, das nur stattfinden kann, wenn deutlich würde, worum es eigentlich geht. Die Dinge verwirren sich in der Not. Daß die Leute (diejenigen, die ich beobachte oder kenne) so leben wie zuvor, ehrt sie. Ich bin dabei. Wir halten die Routinen ein, wir gehen zur Arbeit und helfen einander. Welcherart ist die Krise, die wir durchleben und nicht ausreichend verstehen? Als ob eine Ordnung nicht mehr greift, als ob eine Verläßlichkeit aufgehört hat, verläßlich zu sein. Oh je – es läßt sich nicht sagen. Es läßt sich halbwegs ganz erst sagen, wenn es durchstanden ist und man weiß, wohin es zu führen schien.


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