Ausgleich der Extreme

Ein Sommer wie früher: eher kühl, häufig naß, wechselhaftes Wetter. Wann war früher? Irgendwann muß früher gewesen sein: ein zurückliegender und zurückgelegter Abschnitt des Wegs, ein paar Orte mit Bildern für die Erinnerung. Früher fieberte ich mit, ob es den widerstreitenden Wettergewalten gelänge, bis Ende Juni ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa zu etablieren. Denn so und nur so bekämen wir sieben stabile Wochen Sonnenschein, Wärme und gute Laune ins triste und lustlose Land. Baggersee und Grillabend, trockenes Gras und das Sirren der Zikaden, draußen schlafen mit fast nichts. Das war selten. Als ich Kind war, klagte Rudi Carrell: „Wann wird’s einmal wieder richtig Sommer / Ein Sommer, wie er früher einmal war?“ Verregnete Sommer – aus solchen Erlebnissen bestehen Kindheit und Jugend, auch später änderte sich wenig. Dann kamen die Hitzesommer mit den Rekordtemperaturen, und die Gleichsetzung von Wetter mit Klima schien gegeben und legitim. Es würde endlos so weitergehen, bis wir eines Tages verkochen. Nun fordern die Medien, da es kühl und normalsommerlich ist, mehr Sommer für das zahlende Publikum. Auf viel Sommer wird man ein Anrecht haben dürfen in Zeiten der globalen Erwärmung. Die Lust soll sich dem Schrecken zugesellen dürfen, wozu sonst verbreitete man sich und ihn.


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