Der Sommer ist, worauf man sich freut. Wie auf einen Besuch. Ist er endlich da, weiß man zu wenig damit anzufangen. Es ist ein Kreuz mit dem Menschen. Zwar vermag er sich zu freuen, doch hält die Freude selten an. Neue Reize werden nötig. Neue Hoffnungen steuern auf neuerliche Enttäuschungen zu. Den klugen Satz habe ich mir gemerkt: „Für mich gibt es keine schlechten Jahreszeiten.“ Der Sommer läßt uns noch nicht los. Er prügelt vielmehr auf uns ein. Ist der Sommer gut, sehnt man sich nach der Tiefe der Farben des Herbstes und kühlendem Schatten. September ist der schönste Monat des Jahres, gefolgt vom zweitschönsten. Unter Weinlaub sitzen, schweigen oder sprechen. Allzubald wird es kalt – das habe ich früher gefürchtet und mir die Tage der Gunst verschandelt durch Vorstellungen dessen, was kommen wird. Ich habe mich bedrohen lassen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.