Die dunkle Zeit

Die dunkle Zeit steckt tief im Gedächtnis und vibriert nach, fast täglich bin ich erinnert. Zeit meiner Aussonderung, meines ungenügenden G-Status‘, Zeit der Gefährdung. Sie machten ernst hier in Deutschland, wie vielleicht nur hierzulande ernstzumachen ist: humorlos, ausnahmslos, erbarmungslos. Ich solle mich nicht so anstellen, haben mir sogar einstige Freunde empfohlen. (Wozu dann noch Feinde?) Die bekannte und befreundete Welt war verschlossen. Ich war draußen. Das hatten weder meine Freunde, noch meine Feinde beschlossen, das war verordneter Konsens. Das Gefühl und solches Wissen haben jene nicht, die sich der Logik der Macht zugesellen konnten, einige gedrungen pragmatisch, wie ich weiß. Sie möchten darüber auch kaum mehr sprechen. Ich verstehe das. Es ist peinlich. Auch mir ist es peinlich, ab und wann erinnert zu werden und deshalb daran zu erinnern, was da vor sich gegangen ist in der dunklen Zeit der Aussonderung und Prämierung von Gefügigkeit. Zu keinem Zeitpunkt standen die einzelnen Menschen gegeneinander, zu jedem Zeitpunkt war ausschlaggebend, wie die Politik sie zuteilte und die Ausgrenzung inkauf nahm, nein: intendierte. Nicht wir haben uns freiwillig und gleichsam naturgesetzlich getrennt, sondern die verantwortliche Politik besorgte das. Was schreibe ich hier, mein Gott, jeder weiß es. Schuld, Schande, Scham. Propaganda ist eine Schlange, wer auf sie tritt, wird gebissen.


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