Leidenslanges Lernen

Die Zeit heilt alle Wunden. Auch das wurde gesagt. Da ich aber jung war, als es gesagt wurde, konnte ich das nicht glauben. Man kann nur annehmen, wofür man bereit ist. Ist man nicht bereit, geht man leer aus. So geht es zu im berühmt-berüchtigten Lauf der Zeit. Daß man sich jeweils für schlau und ausgebufft hält, gehört zur Selbstinszenierung menschlichen Lebens in der Natur. Ist man jung, will man tapfer sein und sich den Schrecknissen stellen. Ist man nicht mehr jung, sucht man sich seine Gegner aus. Sie lauern meist in der eigenen Brust. Ich wiederhole mir oder etwas wiederholt Problemkonstellationen, die das Leben stellt. Ich will sagen: ich mache mit, da ich muß. Sie werden gleichsam zugestellt. Es ist zum Haareraufen. Mit der nervenden Regelmäßigkeit einer Sirene oder einer dämonischen Hilfskraft werden Lebensthemen angeläutet und aufgetischt – auf daß ich sie diesmal verzehre und verstehe und die Lektion nicht ein weiteres Mal zu absolvieren habe. Gebet. Ich lache nun schon fast, wenn ich erneut in einer jener Klemmen stecke und neuerlich nach Luft schnappe. Papillonmäßig, falls man Buch oder Film kennt. Lernen kann gräßlich sein.


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