Als Kind nahm ich Maß an den Erwachsenen. Und wie ich das tat. Ich beobachtete jede einzelne ihrer zugänglichen Verhaltensweisen und wußte genau, welche mir zugedacht sein könnten, insbesondere, welche nicht. Bis heute sehe ich an, was die Leute so treiben, nehme Maß und verwerfe. Einiges gefällt, paßt, läßt sich an. Solches Unterscheiden und Wählen klingt kompliziert, ist jedoch einfach. Von dort aus ein Sprung: Gestern lauschte ich einem Priester, der zu berichten mochte, wie sein Glaube ihm helfe, nicht irre zu gehen in dieser Welt. Doch er sprach lediglich aus seinen gesetzten Setzungen heraus und blieb derart in ihnen verhaftet, daß es mir schien, er spräche aus einer Festung. Immerhin ist die Festung fest. Zudem könnte sie noch anderes sein, zum Beispiel Wahlgefängnis, also Angstbau.
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Ich studiere z. Zt. die Architektur solch einer Festung. Sie nennt sich Protestanismus. Architekt war Martin Luther. Das von ihm verfasst Werk, welches ich lese, heißt: „Von den Juden und ihrn Lügen“. Es ist nicht nur auf widerlichste Art antisemitisch, es fordert, was 500 Jahre danach durch die Nürnberger Gesetze festgeschrieben, eingeleitet und durchgesetzt wurde, wobei der 9. Novemer 1939 aus dem Geschehen heraussticht. Die Konferenz am Wannsee, bei der die völlige Vernichtung der Juden beschlossen wurde, hat der Architekt nur deshalb nicht gefordert, weil es Zyklon B noch nicht gab. Der Priester, dem Du gelauscht hast, als er berichtete, dass sein Glaube ihm helfe, nicht irre zu gehen in dieser Welt, gehört zum Personal dieser Festung.