Angstkongreß

Ich bin noch nicht frei, aber ich werde es. Eine gewisse Kurzatmigkeit kennzeichnete die vergangenen Jahre, bedingt durch den immensen Druckaufbau, den wir zu gewärtigen hatten und haben. Aus der politischen Sphäre fließt Gift in die Gewässer, ein jeder bekommt seine Dosis, auch an Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Resignation. Das Vergiftete kennzeichnet die Debatten und Diskurse. Manche schauen sich erst zweimal um, ehe sie zu sprechen beginnen. Das wirkt beklemmend. Ich versuche nicht, solche Bedrängnis zu ignorieren, bin vielmehr bemüht, sie als das zu erkennen, was sie ist: ein Resultat von Herrschaft durch Angst. Bemerkenswert ist, daß beide Seiten im Gesellschaftsstreit von ihr beherrscht sind und zugleich mit ihr zu herrschen trachten. Nun könnten sie doch Herkunft, Namen und Größe ihre Ängste vergleichen auf einem Großen Angstkongreß mit korrespondierenden Selbsthilfegruppen und bereitgestellten Therapieangeboten. So etwas können, Geld dafür haben wir in Hülle und Fülle. Jeder Text sollte ein Befreiungsversuch sein.


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