Ich erkenne mich

Kurz in einem Videoausschnitt mein weicheres und milderes Gesicht von Anfang der Zweitausenderjahre erblickt. Das Leben härtet uns und treibt Züge hinein, das sind die Lebenslinien. (Ich rede nicht vom Handlesen, das sei und bleibe eine Kunst eigener Art.) Man fürchtet hierzulande das Alter. Das ist verräterisch. Als wolle man partout nichts wissen oder notfalls nur wenig. Vor dem Rest würde man reißaus nehmen, könnte man nur. Nein, kann man nicht. Noch einmal fünfunddreißig sein zu sollen mißfiele mir sehr. Wie es weitergeht, werde ich erleben. Für mich gibt es keine große goldene Zeit, in der ich das war, was ich zu sein wünschte. Früher war alles besser, sagen oder fragen die Ahnungslosen. Ich bin derart froh, daß es weitergeht. Und das nicht, weil ich unausgelebt bin. Ich möchte nur immer weiter.


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