Sie leben für ein paar Tage in einem Palast mit Blick auf die Sierra am Horizont, darüber steht tagsüber verläßlich ein hellblauer Himmel mit Wolkenfleckchen. In den sogenannten Zimmern, die eigentlich Säle sind, ist alles geschmackvoll arrangiert. Kein Gegenstand könnte Abscheu erregen oder die Gemüter der Gäste beunruhigen. Hier sollen sie sich erholen und zu sich kommen. Wir sind ebenfalls Flüchtlinge, sagt der Patron, nur daß wir jener Welt fliehen, in die die anderen unter Einsatz ihres Lebens streben. Das Paar nickt. Was soll man sagen? Hier ist es schön, vielleicht ein bißchen zu sehr schön. Die Sierra wirkt wie eine Kulissenmalerei, doch sie könnten hinausreiten, morgen schon. Sonst mit dem Geländewagen, ein Chauffeurscout stünde bereit. Die Balkontür gleitet lautlos auf, die Luft riecht würzig. Wo sind wir hier? fragt irgendwer.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.