Selbst beim Thema Zeit ist mir nach Widerspruch zumute. Jemand sagt und klagt: Ich habe keine Zeit. Was ist eigentlich gemeint? Der Klagende hätte gern mehr Zeit mit etwas Schönem verbracht, weniger mit etwas Häßlichem, Dummem, lediglich Notwendigem. Doch liegt sein Problem nicht im Bereich der Zeit, sondern im Bereich seiner Lebens- und Überlebensgestaltung. Er muß blöde Dinge tun, davon ist die Rede. Mit Zeit hat das nur mittelbar zu tun. Allerdings müßte man das Notwendige neuerlich rehabilitieren, da es doch offenbar hilft, nicht ganz vor die Hunde zu gehen. Einfacher gesagt: man muß irgendwann seinen Arsch an die Wand bekommen. Das ist ökonomisch gemeint, besagt: nicht länger prekär zu leben. Diesbezüglich wäre viel zu berichten, vielleicht ist mir einmal danach. Man soll die Zeit nicht beschuldigen, sie ist die unschuldigste aller Dimensionen. Das wollte ich sagen. Ist meine Zeit zuende, beginnt die eines Neugeborenen. An Zeit herrscht kein Mangel, nicht einmal innerhalb eines einzigen Lebens. Ich habe genug von ihr, ist mir etwas wichtig. Ich schiebe sie vor, wenn ich nicht mag. Jeder weiß das.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.