Neues Jahr, siebter Tag

Bekomme eben eine Nachricht über die Alarm-App des Senats, daß die Notlage aufgrund des Stromausfalls im Südwesten Berlins aufgehoben ist. In den Medien ringen Journalisten, Experten und Politiker um die Deutungshoheit über den Vorfall. Der Regierende Bürgermeister war Tennis spielen, während er vorgab, nach Bekanntwerden des Unglücks, verursacht durch einen Anschlag auf die kritische Infrastruktur (hier eine Kabelbrücke über den Teltowkanal), unentwegt telephoniert zu haben. Erst zehn Stunden nach dem Stromausfall, der am Samstag in den frühen Morgenstunden begann und gut vier Tage währte, ließ er von sich hören. Die Konkurrenz will ihn loswerden, jetzt bietet sich Gelegenheit. In der Politik hat man keine Freunde. Man wird sich die Hände reiben, daß jetzt herausgekommen ist (immer redet irgendwer), was er während der Mittagsstunden des Samstags getrieben hat. Bald sind Neuwahlen. Die Hyänen umkreisen den Ort, sie wittern Aas. Einzig ein Sprecher der Polizei sagt, was jeder weiß: Während eines Notfalleinsatzes braucht man alles Mögliche, nur nicht Politiker, die den Einsatzkräften kameratauglich im Wege stehen.


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