Long may you run

Szene in der Untergrundbahn: Eine Bettlerin geht herum, sie ist stark tätowiert, dramatisch geschminkt. Sie mag Mitte dreißig sein. Eine Träne hat sie sich in die Haut stechen lassen unter ihrem einen Auge. Sie ist dünn, wiegt kaum mehr als vierzig Kilo, geht auf Plateausohlen den langen Gang der Ziehharmonikabahn entlang und fragt nach einer kleinen Hilfe. Sie durchläuft den Zug von hinten nach vorn. Als sie auf meiner Höhe ist, kommt von hinten eine Frau herbei, stellt die Bittende und spricht auf sie ein. Eine frohe Botschaft: Du bist nicht allein, never give up your spirit, du bist stärker als du anzunehmen bereit bist. Und so weiter. Gut gemeint. Eine Umarmung, ein Tätscheln, eine Zufriedenheit. Schon ist die trostspendende Matrone zurückgekehrt zu ihrem Sitz. Die Betroffene geht in Fahrtrichtung weiter, braucht neben Ratschlägen und Ermunterungen noch ein bißchen Geld. Dafür bewegen wir uns alle.


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