Nachtstunde. Eine vollkommene Stille. Absichtslosigkeit. Nichts aufrufen. Keinen Namen, keine Zeit, kein Bild. Kommt eine Erinnerung, tut es mir leid. Schon geschlossen, versuchen Sie es morgen erneut. Ohne Gewähr. Ich habe heute die Wildgänse gehört, sie kehren zurück. Irgendwo im Westen haben sie wieder Angst vor Wölfen. Das habe ich gelesen. In Deutschland leben zwanzig Rudel. Wölfe verlieren die Scheu, wenn man sie nicht vertreibt. Ich war kurz in einer Bar. Dort habe ich mich ein wenig gelangweilt. Das war niemandes Schuld. Der Tag war lang, ich war müde und nicht für Menschen. Hier ist es gut. Hier wohne ich, hier ruhe ich aus, hier finde ich Schlaf und manchmal die Träume. Am Grunde des Ozeans ruhen, schwer wie die Welt. Nicht atmen, sonst steigen Bläschen auf und verraten den Schlummer. Gründeln, ein Wort aus der Vergangenheit der Freundschaft. Nichts Menschliches läßt sich konservieren. Einem noch sehr Jungen sagte ich im Antiquariat: Hier stehen viele deiner Freunde, die meisten sind bereits tot.
Es gibt Zeiten, da sind die Toten das Lebendigste. Alte Geschichten wuchern wie Gestrüpp und kopflose Reiter preschen durch die Steppen des sprechenden Windes. Keine Stimmen, Stummfilmzeit, heute am Flügel: die Nacht und ihre Stunde. Nichts und niemanden aufrufen. Die Gäste kommen von selbst. Eine entlaufene Katze, ein trauriger Satz. Es ist weder so noch ist es anders. Man muß sprechen und sollte besser vielleicht schweigen. Schweigen alle, heißt das Tod.
In der Kapelle steht ein verschlossener Sarg, der muß gleich in die Erde. In diesem Sarg liegt jemand, den ich kenne, der mich kannte. Ich werde sicher nicht weinen. Eine erste Hummel fliegt über die Gräber. Wir warten am Rande des Lochs auf die Seile. Ohne Seile geht das nicht. Man kann den Sarg nicht einfach in die Grube krachen lassen. Die Träger schauen betreten zu Boden. Man hat keine Seile bereit gelegt. Der Pastor steht wie alle und friert. Er könnte ein Lied anstimmen. Doch wir warten in langer Schlange auf die Seile. Niemand spricht. Bei der Freiwilligen Feuerwehr haben sie Seile. Die werden nun geholt. Da kommen sie schon. Erleichterung macht sich breit, eine neue Geschichte atmet auf.
Fast vollkommen, diese Stille. Vollmond vor sieben Stunden im Mondzeichen Jungfrau. Euphorion ist müde. Traumland lockt. Absinken an den Grund des Ozeans. Keine Absichten, keine Ansichten, keine Aussichten. Dämmern und so tun, als sei man tot. Notfalls blinzeln.
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Schönes Blog, tolle Texte … mach weiter, klingt vielversprechend … jeden Tag ein Text? Ambitioniert, überrasche mich. Das Theme ist schön, schlicht, aber baue bitte ein Impressum ein, nicht dass dich irgendein Arschlochanwalt abmahnt. Liebe Grüsse, Alexander