Langer Weg

Besieht man sich die ganz Kleinen und ist selbst deutlich älter, wird einem schwindlig. Gott, was die noch alles vor sich haben. So viel zu lernen und zu verstehen. Ganze Kontinente an Wissen liegen unübersehbar ausgebreitet vor ihnen, und sie stiefeln munter drauflos. Die Felder der Wonne und des Schmerzes, des Entzückens und der nackten Verzweiflung. Siege und Niederlagen. Kulturtechniken. Die Welt der Worte. Zungenspitze zwischen die Lippen und tüfteln. Dazu das Arsenal der Gründe.

Eine Flamme – oh wie schön, schnell mal hineinfassen. Aua. Ein Herz – schnell mal brechen (lassen). Die anziehenden und abstoßenden Kräfte zwischen Menschen, die Wege nach oben und unten. Rutschbahn, Achterbahn, Geisterbahn. Man muß naiv sein, um all das zu durchlaufen. Daß man nicht weiß, was man vor sich hat, ist das Beste. Gespeist von Hoffnung, Zuversicht und Tatendrang vorwärts im Lebenskampf. Meter für Meter, Tag für Tag. Schule beginnt mit Zuckertüte. Das Leben so süß.

Was ich kann und was ich nicht kann. Woher ich komme und wer ich bin. Was ich tue und was ich lasse. Einen weiten Weg zurückgelegt, ein bißchen verstanden. Sehe ich die Kleinen, befallen mich Rührung und Mitleid. Bis sie halbwegs klarkommen, man sie also auswildern könnte, braucht es eine Ewigkeit. Doch sie stiefeln munter drauflos, als sei es nichts, dieses anstrengendste aller irdischen Leben mit einem Kopf so schwer.


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