Über das Wasser

Die Festschreibungen der letzten Jahre – lächerlich. Alle Welt meint zu wissen, wer und was man ist. Am Ende glaubt man es selbst. Daß ich hier an derselben Ampelkreuzung stehe wie du, heißt noch lange nicht, daß wir denselben Weg haben. Daß ich in diesem Land geboren wurde, heißt nicht, daß ich mich zur nächsten Gemeinschaftsaktion hinreißen lasse. Daß ich nicht mehr rauche, bedeutet nicht, daß ich Nichtraucher bin. Ich lehne solche Wörter ab. Sie sind Garagen der Gefangenschaft. Man wird dort eingeparkt, damit man nicht auf der Straße herumsteht und allen im Weg ist. Stetig wird aufgeräumt und eingeräumt. Daß ich heute dieses sage, zieht nicht nach sich, daß ich es morgen wiederhole. Vermutlich sage ich etwas Frisches. Ich bin ziemlich in Bewegung. Verlaß ist darauf nicht. Es gibt diese langen Tage des inneren und äußeren Stillstands. An einer Position bin ich nicht interessiert. Ein Bewegungsbild ist mir lieber. Aus der Bewegung etwas abfeuern, das irgendwo einschlägt, einen Kieselstein über das Wasser tanzen lassen. Dann taucht er ein und ist futsch. Gut so. Er kann ja nicht auf der Wasseroberfläche liegen bleiben. Das ist gegen die Gesetze. Befolgen wir die echten.


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