Einmal sah ich zu, wie mehrere Autoren vierundzwanzig Stunden in einem Raum saßen und nur zur Toilette nach draußen gelassen wurden. Sie tippten bis zur Erschöpfung auf mechanischen Schreibmaschinen und lieferten nach Ablauf der Frist ab. Ihre Texte wurden Seite für Seite an eine Wand geklebt oder getackert. Sie ließen sich bei dieser Durchhalteübung besichtigen. Autoren an einem Schreibtisch sind kein besonderer Anblick. Das sind sie nur im Film, wenn ein weiteres Blatt Papier aus der Maschine gerissen und zerknüllt wird, wenn der Autor unzählige Zigaretten raucht und Whisky trinkt, um sich aufzumöbeln und der Inspiration Feuer zu geben. Mit einem Mal funkt es, die Musen sind gelandet, die Finger werden schneller, der Blick des Darstellers ist greifvogelartig. Die Buchstaben tanzen, die Sache läuft, der Zuschauer atmet auf. War nicht mehr zu ertragen, diese entsetzliche Schaffenskrise eines ausgewiesenen (Filmtitel) Genies. Schnitt. Am Morgen oder Mittag danach ein Stapel Papiere neben der Maschine, ein Bogen noch eingespannt, das Whiskyglas, der volle Aschenbecher und der Held wie tot im Bett. Na, geht doch. Jetzt gerät die Geschichte ins Rollen. Jemand muß ihn entdecken, das Manuskript in die Hände bekommen, am besten unbeabsichtigt, damit der Zuschauer versteht, daß es Zufälle sind, die über das Schicksal eines Genies entscheiden. Dazu die Geliebte, die an ihn glaubt, auch wenn es schwer ist, mit ihm, der mit sich und seinem Dämon ringt, auszukommen, genau genommen eine Unmöglichkeit, doch braucht er sie, und darum bleibt sie, was rührend ist. Denn seine erste Liebe wird immer diese Obsession sein, Wahrheit in Worte zu gießen, was überflüssig erscheinen mag, wenn man der Ansicht ist, daß wir ohne die Dichter auskommen können.
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