Pinguine rehabilitieren

Sie sind viele und wirken als viele wie eine Gestalt. Von Verallgemeinerungen lebt das forschende Aussagen. Der einzelne verschwindet hinter seinem Gruppengesicht, besser: er trägt dazu bei. Auf diese Weise ermöglichen sich Gruppenportraits und Milieuschilderungen, die auf Schnittmengen beruhen. Gestern die Felsenlandschaft wie ausgestorben. Die Horden waren schwimmen oder tauchen, jedenfalls traten sie nicht in Erscheinung. Wochenendballungen verleiten zu Überdrußbekundungen. Zwanzig Katzen auf einem Bauernhof erzeugen Ekelgefühle. Man müßte ein paar verschenken, eigentlich alle. Sie gieren ums Fressen oder eine kleine Aufmerksamkeit. Die Mäuse sind alle tot. Katzen sind doch so süß. Als Gegenbild die Weserstraße von früher, als die Rütlischule Pisa-Deutschland bannte. Da lag das Quartier im Totschlaf einer fast schon unheimlichen Vergessenheit. Es juckte keine Sau, was sich dort des Tags und der Nacht erging. Es war dort Schimmelland, Spucknapf, Kackstadt. Trübe Aussichten in alle Himmelsrichtungen. Elendsverwaltung, sofern da überhaupt noch etwas waltete. Abgeschriebenes Pflaster, grau und schmierig wie ein alter Aschenbecher, in den es hineinregnet. Es war dort nicht schön. Dann kam der Wirbel, jetzt die Pinguine. Irgendwo müssen sie schließlich siedeln. In zehn Jahren werden sie keine Pinguine mehr sein. Dann sind sie Hausgänse, partnertreu, statusbewußt und streitbar. Dann werden sie diejenigen anzeigen, die sich so benehmen wie Pinguine. Man nennt das den Lauf der Dinge, euphemistisch: Entwicklung. Demnach steckt es bereits drin. Man kann jederzeit aus dem Gruppenbild heraustreten.


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