In der Bildsymbolik der Staatswappen sind die Schönen Künste nicht vertreten. Mit ihnen ist nicht Staat zu machen, auch wenn man sich gern mit ihnen schmückt. Manchmal wird sogar um sie gestritten. Wem gehört Beethoven? Der Staat ist unmusisch, mit ihm werden Verwaltung, Militär, Polizei, Jurisprudenz, Schulwesen, Krankenhäuser und Irrenanstalten assoziiert, allesamt Ordnungsfaktoren zur Aufrechterhaltung eines Gemeinwesens, das die Kunst und den Künstler nicht unterzubringen weiß. Diejenigen Staaten, die sich in die Künste einmischen, sind Erziehungsdiktaturen. Sie sehen in ihnen etwas pädagogisch Wirksames und trachten danach, die Gefahren, die von der Kunst ausgehen können, auszuschalten. Von der kultivierenden Wirkung der Künste ist auch die Bundesrepublik Deutschland überzeugt. Sie fördert Institutionen und Projekte. Eine bekannte Unterscheidung traf Gottfried Benn: Für ihn waren Kunst und Kultur zweierlei. Der Staat sei an Kultur interessiert, jenem gesicherten Terrain anerkannter Spitzenleistungen und ungefährlicher Gebräuche, also Beethoven und Tischmanieren. Im Künstler erkannte er den Aussätzigen, den Paria, der am äußersten Rand der Gesellschaft auf verlorenem Posten operiert und stilistisch experimentiert. Von ihm kommt das Unerwartete, Neue und Gefährliche. Es überschreitet Grenzen und sprengt bekannte Formen. Das meiste jedoch, was dort (mitten unter uns) gefunden und geschaffen wird, mißlingt oder stirbt ab. Doch hin und wieder leuchtet etwas hell auf, dann ist die Welt nicht mehr wie zuvor. Aufgabe der Kultur ist es nun, dieses Neue, nachdem es vergeblich bekämpft wurde, einzufrieden. Es kann nicht besiegt werden, da es einleuchtet. Am Ende eines gelungenen Experiments stehen Schulbuch und Museum. Alle lieben van Gogh, für ihn leider viel zu spät.
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