Durch die Salzwüste

Der Galopp war mörderisch. Mir schmerzten die Beine, oh so sehr, der Hintern war hart und taub wie ein Brett aus Stahl. Ich saß, ich saß dort, ich saß dort oben im Sattel, ich saß dort oben im Sattel und sah diese kalkweiße Landschaft, eben wie ein Tisch, endlos wie eine Wüste, hoffnungslos wie das Leben eines Getriebenen ohne Aussicht auf Erlösung. Die Lippen rissig und trocken, salzig die Umgebung des Mundes, salzig die Haut, salzig der Grund unter den Hufen unserer Pferde. Wir waren kaum mehr als Gespenster, gehetzt von den Truppen des Todes, vom Leibhaftigen. Dessen Leute wollten uns auszählen. Die wollten uns ausknipsen. Die Meute kam näher, wir sahen ihre Staubfahne in weiter, dann in etwas näherer Ferne. Daß wir den Weg durch die Salzsteppe nehmen würden, hatten sie sicher nicht erwartet. Der sich vorhin bekreuzigt hatte, lachte mit einem Mal auf. Er lallte: „So zu sterben, mein Gott, was für ein unerwartetes Geschenk.“ Ich grinste ihn an, schräg, unbeholfen. Er wollte die Hand zur Hutkrempe führen, doch sie reichte nicht hinauf, sank, fiel auf seinen Schenkel. Er benötigte seine letzten Kräfte. Ich benötigte die meinen. Irgendwo weit hinten sahen wir Berge, eine Gebirgskette, ein Ende. Hier verbrannten wir wie Eier in der Pfanne. Dort lag die Rettung. Es war noch ein gutes Stück Weg. Die Pferde brauchten Rast, wir dürsteten. Am Ende wären ihre Leiber unsere Deckung vor der Meute. Niemand von uns war scharf auf dieses endgültige Treffen. Landschaft kommentiert nicht.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Durch die Salzwüste

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert