Einmal in meinem Leben schlief ich in einem Raum mit heruntergelassenen Rolladen. Als ich aufwachte, wußte ich nicht, ob ich einen, zwei oder drei Tage dort lag, auf dieser Gästecouch zwischen den Resten der Party. Das Zimmer war schwarz. Nicht ein einziger Lichtpunkt. Das war der Tod. Ich lag im Tod und atmete. Rolladen ist ein passend dummes Wort für eine dumme Vorrichtung. Abends auf dem Land oder in den gefährlichen Kleinstädten rasseln die Rolladen abwärts, dann bunkern sich die Menschen ein, schalten den Fernsehbildschirm an und schauen in die Welt. Ihre Sache. Zurück zu meinem Erwachen vor Jahren: Ich fühlte mich taub und amputiert, wie erwacht aus einer Bewußtlosigkeit. Angstpanik. Ich wußte nicht sofort, wo ich feststeckte. Wie hieß doch gleich der Ort? Ah, Linse. Linse bei Bodenwerder. Klang unwahrscheinlich, traf aber zu. Auf allen Vieren krabbelte ich durch den Raum, vorsichtig und langsam, denn ich konnte mich nicht erinnern, ob und wo da etwas herumstand, ein Tisch, ein Schrank oder ein ausgestopftes Wildtier. Eine Wand, eine Fensterbank, ein Zugriemen. Ich zog. Durch den Lichtschlitz spritzte es herein. Das Schwarz war augenblicklich fort, weggeätzt. In der Ecke des Raumes stand ein Terrarium mit Kleinschildkröten. Deren Fütterung, deren entsetzliche Gier. Es schüttelte mich. Sie taten nichts, doch nun war es auch für sie Tag. Ich trug damals noch eine Uhr. Sie zeigte etwas nach 14 Uhr. Ich kombinierte: Todschlaf demnach und vermutlich nur sieben Stunden. Kopfschmerzen. Einunddreißig Stunden Schlaf gibt es ja gar nicht. Wie kann ein Mensch sich in der Welt aufgehoben fühlen und wohlbefinden, wenn die Rolladen heruntergelassen sind und das Zimmer schwarz ist? Ich empfehle leinenweiße Vorhänge. Der Sommer spielt mit.
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